Der Weg ruft……..2018

Eigentlich wollte ich längst einen Bericht über meine letzte Wanderung auf dem Westweg hier veröffentlichen, aber ich bin einfach nicht dazu gekommen. Mein Tagebuch quillt über und ich habe gerade einmal den ersten Tag zu Papier….zu PC gebracht. Ich war kaum wieder hier, hat mich das „normale“ Leben wieder komplett im Griff. Jugendweihe meines Sohnes, ein gestorbener Kollege und ein Berg an Arbeit. Am Ende des Tages oder am Wochenende rauscht es im Kopf und in den Ohren. Mein Tinnitus pfeift total auf mich. Es wird einfach nicht besser.

Aber ich habe einen Plan, den ich nun umsetzen werde bevor ich endgültig in der Suppe versinke und der mich nun aufrecht hält. Nachdem ich mir von allen Seiten ein OK geholt habe, also nach Wichtigkeit sortiert, von meiner Frau, Familie, Hund, Arbeit, werde ich von April bis Juli/August wandern. Und zwar die Strecke

Berlin – Santiago de Compostela

Klingt verrückt, ist es sicherlich auch. 3300km durch Deutschland, Frankreich und Spanien als Pilger. Und natürlich werde ich hier vieles Posten wollen. Ein kleines Buch soll auch entstehen. So zumindest mein Ziel. Nennt es einen Lebenstraum. Die ersten paar Passagen aus meinem Entwurf  zeige ich euch hier, denn das Abenteuer geht ja eigentlich schon jetzt los. Ab und an werde ich hier weitere Infos zum Stand der Dinge zum Besten geben. Also seit gespannt.

Bon Camino – Ultreya

 

PS: Der Bericht zum Westweg ist nicht vergessen. Ein wenig Geduld

Berlin – Santiago

Ende Juni 2017

„Meinst du nicht, dass du ein wenig egoistisch bist?“ Meine Frau schaut mich streng an. Mir ist das unangenehm. Ich merke wie ich einen Kloß im Hals bekomme. Natürlich hat sie von ihrer Sicht aus recht und innerlich fühle ich mich auch schlecht, aber ein andere Kraft zieht an mir.  „Es ist doch nur für vier – nein sogar nur dreieinhalb Monate“ versuch ich zu argumentieren. Ich weiß, dass mein Argument nicht ankommt. Ich weiß aber auch, dass meine Frau mich und meinen Antrieb versteht. Die Idee, eine Wanderung von Berlin nach Santiago machen zu wollen, habe ich schon eine Weile. Davor, und auch schon vor Hapes Buch, hat der Jakobsweg mich sowieso fasziniert und seit zwei Jahren fahre ich außerdem jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an der gelben Muschel auf blauem Grund vorbei.

Seit dem ich Ende Mai von meiner elftägigen Schwarzwaldtour auf dem 285km langen Westweg zurück bin, geht mir nichts anderes mehr durch den Kopf. Die Gefühle, die Eindrücke die ich dort hatte und die Leute die ich dort getroffen habe, haben mich endgültig Blut lecken lassen. Vor allem eine Begegnung mit einem Wanderer, der zu Fuß von Bristol nach Jerusalem unterwegs war, hat mich inspiriert und die Sehnsucht nach einer solchen Langstreckenwanderung erheblich vertieft. Kaum zu Hause, hab ich angefangen mir die ersten Wanderkarten für die ersten beiden Abschnitte zu besorgen, nach Informationen im Internet zu suchen und einen Zeit und Kostenplan aufzustellen.

Nun habe ich meiner Frau gebeichtet, die Tour schon im nächsten Jahr machen zu wollen und ich ernte die erwähnten strengen Blicke. „Und wie soll das bezahlt werden und wenn was zu Hause ist?“ Ihre Unsicherheit ist ihr förmlich anzusehen. Nun liegt es an mir alle Bedenken zu zerstreuen, denn dieselben Gedanken habe ich mir im Vorfeld auch gemacht. Finanziell sollte es eigentlich ohne besonderen Anstrengungen hinkommen und wenn was ist – wozu hat man Freunde. Kurzum, ich denke ich konnte ihre Bedenken sicherlich nicht beseitigen aber zumindest halbwegs mildern. Nur ihr schweres Herz und ihr flaues Gefühl im Magen, werde ich erst wieder wirklich heilen können, wenn ich wieder zurück bin. Es ist schön, dass es Menschen gibt, die sich um einen sorgen.

Auch ich werde meine Familie in der Zeit vermissen und ich mich sicherlich mehr als einmal wieder nach Hause wünschen, aber ich muss einfach los. Nennt es Midlifecrisis, Torschlusspanik oder sonst wie. Ich merke nur wie die Zeit an mir vorbei rast und ich im Trott des Alltages drohe unterzugehen. Meine Grundstimmung ist dunkel und auch meine Familie, an der ich absolut hänge, ist auch nicht wirklich in der Lage in der kurzen gemeinsamen Zeit, diese aufzuhellen. Erst bei der letzten Wanderung habe ich ansatzweise eine Linderung gespürt. Also soll dies auch so etwas wie eine Kur sein, eine Kur für meine Seele. Ich merke jeden Tag wie verdammt nötig dies ist.

Familie also check. Nun zum Arbeitgeber. Die Kollegen schau auch erst mal ein wenig verwirrt, aber dass ich schon länger von solch einer Tour träume, wissen die Meisten. Und wo ich eigentlich eher noch etwas Widerstand gesehen habe, erfahre ich doch deutliche Zustimmung. Meine Vorgesetzter unterstützt mich sofort, kaum dass ich meinen Plan dargelegt habe. Der Personalchef nickt auch freundlich und findet mein Vorhaben bemerkenswert. Also somit nun auch Arbeit check. Grünes Licht von allen Seiten. Nun mach ich mich ran meinen Traum umzusetzen…………………….

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