Westweg – Anreise

Pre-lauf bis zum Start

Es geht los. Endlich ist es soweit. Schon seit Wochen zähle ich die Tage. Stell mir vor, wo ich denn gerade an diesem Wochentag bin. Von der Arbeit bin ich schon eine Weile völlig ausgebrannt. Zumindest fühle ich mich so. Der Kopf kommt nicht zu Ruhe, so daß es schon körperlich zu spüren ist. Nebenbei äuge ich auch noch seit Tagen immer wieder auf meine Knie und meine Ferse und hoffe daß diese mich die nächsten 11 Tage nicht im Stich lassen. Ich bin zwar bei einer Physiopraxis in Behandlung, aber ab und an zwickt es dann doch wieder. Es war eine gute Idee, schon mal ein paar Tage vor der Abfahrt frei zu machen. Wandersachen zu ordnen und ein wenig runter zukommen. Ich fühle mich schon freier und total kribbelig in den Füssen. Der Rucksack steht schon ein paar Tage fertig in der Ecke. Also nur noch aufschnallen und…Es geht los.

Was man halt so brauch

 

Da sah es noch gut aus

Die Tour habe ich diesmal, was die Übernachtungen betrifft, wirklich von Anfang bis Ende durchgeplant. Noch bin ich keiner, der sich mit dem Zelt in der freien Natur zutraut zu übernachten. Schisser halt. Aber es wird irgendwann kommen. Das mit der Planung war auch gut so, da ich beim Buchen schon merklich Schwierigkeiten hatte. Es sind Ende Mai halt Feiertage und Pfingstferien und der Schwarzwald ist ein beliebtes Kurzurlaubsziel. So habe ich also feste Tagesziele, die leider auch nicht immer direkt am Weg liegen. Da muss ich dann entweder den Bus oder die Bahn bis zur Unterkunft benutzen, aber das Liniennetz im Schwarzwald ist ganz in Ordnung und so sollte es auch keine Probleme geben.

Anreisen tue ich mit dem Nachtzug von Berlin nach Karlsruhe. Dort bin ich dann morgens um halb sechs und fahre mit der Regio nach Pforzheim. Soweit der Plan. Überpünktlich mach ich mich auf dem Weg zum Hauptbahnhof und mache vorher noch einen kleinen Abschiedsbesuch bei meiner Frau auf Arbeit. Und schon kommt das erste böse Omen von oben. Als ich so am S-Bahnhof stehe, bekomme ich irgendwie Durst. Kein Wunder, es ist sonnig und recht warm. Normaler Weise bin ich nicht so der Cola-Trinker, aber die Cola im Automaten, der so nett vor sich hin brummt, lächelt mich an. Also her damit. Schon beim Griff ins Ausgabefach merke ich, dass da was nicht stimmt. Der Automat hat einen Knall. Statt eines kühlen Erfrischungsgetränks, das ich in meiner Hand halte, ist das Gesöff mehr als pisswarm und einfach ungenießbar.

Gut anderthalb Stunden vor Abfahrt bin ich am Berliner Hauptbahnhof. Also noch Zeit für ein paar Kalorien bei einer Burgerbratstation. Die laufe ich mir in den nächsten Tagen ja wieder ab. Nach gelungener Verfettung, begebe ich mich zum Bahnsteig. In gut einer Stunde sollte der Zug kommen. Irgendwen weit oben muss ich wohl verärgert haben. Und das wohl schon ziemlich lange. Was ich bei meinen Reisen schon so erlebt habe. Crews die nicht kommen, Tickets die kurzfristig platzen weil plötzlich genau an meinem Reisetag gestreikt wird, ein Zug den man mit Ach und Krach zwei Minuten vor Abfahrt erreicht, die Türen aber schon zu sind und man nach zwei Minuten nur noch die Rücklichter sieht, bis zu einem gesperrten Flughafen, der genau 10 Minuten vor meinem Boarding zu macht. Ich will mich ja nicht als Pechvogel in Sachen Reisen hinstellen, aber irgendwie könnte da was dran sein. Und auch jetzt schlägt er/sie /es wieder zu und nimmt auch alle anderen Fahrgäste als Geisel. Zehn Minuten bevor der Zug einfahren soll, ertönt eine nette Ansage von einer Robotermaus. „ Der Zug hat 100 Minuten (!!) Verspätung. Grund, Probleme mit dem Zug. Wir entschuldigen uns.“ Ende, aus, mehr kommt nicht. Außer kurz vor Ablauf der Verspätung um diese nochmals auf 150 Minuten zu erhöhen. Merkwürdiger Weise haben plötzlich viele Züge Verzögerungen. Nicht ganz so weitreichende, aber alle aus dem gleichen Grund.   Ich bin von der Bahn leider aber nichts anderes gewohnt. Nur einmal war alles perfekt. Der Zug war absolut pünktlich, der Service vorbildlich und das Wifi ging schnell und auf Anhieb. Das war auf meiner Fahrt nach Prag, nur in diesem Fall auch mit einer Tschechischen Bahngesellschaft. Erst bei der Rücktour hatte die Regio im Namen der Deutschen Bahn mal wieder 15 Minuten Verspätung.

Letzt endlich werden aus der aktuellen Geschichte hier 3 Stunden. 3 Stunden ohne vernünftige Angaben. Da sind kleine Kinder die quengeln, genervte Eltern, ältere Mitbürger für die eine solche Fahrt eh schon eine hohe Belastung darstellt und auch mein Puls schießt in die Höhe. Ich kann da aktuell, wenn ich drei Stunden auf einem kühlen Bahnsteig verbringen muss, nicht gleichmütig bleiben. Man kann ja nicht weg, weil der Zug ja plötzlich doch kommen könnte. Und die Bahn schafft es nicht einmal eine persönliche Ansage zu machen und lässt nur den Automaten sprechen. Man merkt wie egal der Bahn oder einem Teil der Mitarbeiter doch Fahrgäste sind. Ich könnte mich da noch stundenlang darüber auslassen, aber ich schweife ab.

Wie gesagt, nach 3 Stunden kommt der Zug und es geht nun endlich doch noch los. Also schnell Abteil suchen, alle darin wach machen, mein Bett schnell beziehen und wenigstens versuchen noch eine Mütze Schlaf zu bekommen. Schon ab Frankfurt bin ich wieder hell wach und auf den Beinen. Auf dem Gang fange ich mein Frühstück inkl. Kaffee ab und nach einer kurzen Nacht bin ich kurz nach 8:00 in Karlsruhe zu meiner Weiterfahrt nach Pforzheim. Gegen 9:00 stehe ich dann voller Motivation und Vorfreude in Pforzheim am Bahnhof. Jetzt kann es richtig losgehen.

In Karlsruhe. Es wird schon philosophisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.