Westweg – Tag 1

Tag 1, Pforzheim – Dobel, 28km

Meine ersten Schritte in Pforzheim führen mich nicht zum Startpunkt des Westweges am Kupferhammer, sondern in die Bahnhofbäckerei. Ich muss noch meine Wasservorräte auffüllen und brauch nach der kurzen Nacht im Zug einen zweiten, stärkeren Kaffee. Jetzt erst bin ich bereit für die Goldstadt Pforzheim.

Pforzheim, am Zusammenfluss von Enz, Nagold und Würm, gilt als die Pforte zum Schwarzwald. Einst eine Römersiedlung wurde Pforzheim das erste Mal 1067 urkundlich erwähnt. Der Beiname „Goldstadt“ bezieht sich auf die seit dem 18.Jahrhundert ansässigen Schmuck- und Uhrenindustrie, die bis heute und trotz der 1945 massiven Zerstörung der Stadt, rund 75% der deutschen Schmuckwaren herstellt.

Pforzheim, modern halt

Der Weg zur goldenen Pforte am Kupferhammer kann auch per Bus bewältigt werden. Ich laufe aber lieber den knapp 2 km langen Weg zum Startpunkt. Schon mal ein wenig warmlaufen. Der Weg durch die City ist gut ausgeschildert und für die Uhrzeit empfinde ich es als ziemlich ruhig in der Stadt. Einzig das Glockenspiel empfängt mich. Viel Sehenswertes gibt es an der Strecke nicht zu sehen, aber die städtische Ruhe gibt mir schon einen Vorgeschmack auf die Ruhe im Wald. Ich merke regelrecht wie ich immer mehr innerlich entkrampfe und irgendwie freier atmen kann. Das entschädigt schon mal von den nicht besonders gelungen modernen Bauten direkt nach dem Bahnhof. Entlang der Nagold bin ich nach zwanzig Minuten dann auch schon an der Pforte zum Westweg.

Goldene Pforte, hier geht’s richtig los

Ein  obligatorisches Foto und den Stempel auf meinen Wanderpass abgeholt und der erste Anstieg kann kommen. Es sind nur ein paar Meter, aber es geht in den Wald hinein und ich folge ab jetzt der roten Raute. Die Luft wird merklich kühler und frischer. Und genauso wächst meine Motivation. Der Wald ist eher noch ein Waldrandgebiet und gehört mehr zur Stadt als zum Land. So geht es weiter entlang der Nagold bis in den Stadtteil Rotplatte/Sonnenberg. Ich höre immer wieder in mich hinein, ob meine Knie oder Füße sich schon beschweren. Aber bisher sind diese ruhig. Also „allet jut“, wie der Berliner zu sagen pflegt. Was mir relativ schnell gelingt, ist es meine Gedanken schweifen zu lassen. Hauptsächlich mein zur Zeit nicht gerade beliebter Job ist ganz weit weg. So sollte es immer auf meinen Wanderungen sein und war ja auch Auslöser mit dem Wandern anzufangen. Freiraum im Kopf zu schaffen um auch mal alles zu überdenken und gegebenenfalls auch Entscheidungen zu treffen. Aber erst mal Abschalten und das gelingt mir beim Laufen immer besser.

Die erste Rast

Auf halber Strecke nach Neuenbürg gibt es schon einen Abzweig zu einer Höhenvariante des Westweges. Ich aber bleibe auf dem Hauptweg, da ich beim letzten Mal irgendwie eine Biegung verpasst habe und so nicht durch die Burgruine, gekommen bin. Diesmal will ich mir die Ruine mal ansehen. Also nimm ich den Anstieg zur Burg, die wohl im 12.Jahrhundert entstand und nach der die Stadt zu ihren Füssen ihren Namen hat, in Angriff. Leider merke ich dabei an meiner linken Ferse ein verdächtiges Kribbeln. Da heißt es nicht zögern und sofort der Ursache auf den Grund gehen. Ich weiß um meine Füße und tape schon aus Vorsicht generell die Fersen. In diesem Fall hat sich das Tape aber gelöst. Fix ein neues drüber und schon kann ich weiter zur Burg hoch. In der Burg gibt es eine Trinkwasserstelle, schon die zweite auf dem Weg. Aber so wie die erste Stelle ist auch diese nicht in Betrieb. Schade, ich hätte gerne auch mal meinen Durst nicht aus meinem Vorrat gestillt.

Die Burg, staub trocken

Nach einem kleinen Rundgang, geht es nun den alten Burgweg runter nach Neuenbürg. Und wie es im Schwarzwald so ist, wo es runtergeht da muss es auch wieder raufgehen. Insgeheim denke ich so bei mir, „Hätte ich bloß die Höhenvariante gewählt“, denn der steile Anstieg durch die Straßen der Stadt ist bei der Wärme eine echte Herausforderung. Dass dies so anstrengend beim letzten Mal war, hatte ich so gar nicht mehr auf dem Schirm. Etwas Trost spendet mir das im Ort erworbene leckere Brot zusammen mit ein paar Landjägersalamie.

Mehr als die Hälfte geschaft

Ich freue mich schon auf die Schwarner Warte. Das ist die erste Stelle mit einer herrlichen Fernsicht. Vorher meldet sich aber meine Ferse wieder. Oh man, ich befürchtet Schlimmes. Meine Befürchtung bewahrheitet sich dann auch. Na toll. Das erst kürzlich erneuerte Tape hat einen Falz gebildet und in diesem Fall ist nun auch genau eine Blase entstanden. Ich kann nur Notarzt spielen und provisorisch ein Blasenpflaster setzten. Leider ist das Pflaster eines von den billigeren und hält nicht das was es verspricht. Nach den letzten Kilometern nach Dobel hat sich eine nette Beule an meiner Ferse gebildet. Dazu darf ich dann noch bei meiner Ankunft im Hotel erfahren, dass das Restaurant geschlossen ist. Somit muss ich mich nach dem Duschen nochmals verarzten. Blase auf stechen und eine besseres Pflaster drauf. Dann kommt der schwere Part. Ich schlüpfe bzw. ich zwinge mich in meine leichten Feierabendschuhe und suche mir ein Essenverteilzentrum im Ort. „Fängt ja gut an“, geht es mir durch den Kopf. Aber im Großen und Ganzen war der Tag trotz aller Widrigkeiten recht schön. Ich freue mich auf Morgen und die Aussichten die mich erwarten.

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