Westweg – Tag 11

Tag 11, Kandern – Basel, 26km

Heute ist es also soweit. Die letzte Etappe liegt vor mir. Ein letztes Mal alles Verstauen. Ein letztes Frühstück und dann geht’s ein letztes Mal los. Leider ist die letzte Etappe kein besonders rühmlicher Abschluss des Westweges. Nicht so wie das Grande Finale bei einem Feuerwerk. Was soll nach dem Belchen auch noch kommen. Es geht zwar auf den Wolfsschluchtweg und bis zur Burgruine Rötteln noch recht beschaulich zu, aber es ist irgendwie nicht mehr das Selbe. Der Weg gibt sich zwar hier noch Mühe aber er kann nicht mehr das wiedergeben was in den letzte zehn Tagen hinter mir liegt. Darum laufe ich auch etwas stumpf vor mich hin. Man merkt das min sich einer Großstadt nähert.

Das Letzte am Wegesrand

Bei der Burgruine steht auch das letzte Westwegportal auf meinen Weg. Hier hole ich mir meinen letzten Stempel. Nach der Unterquerung der A98 bieg ich vom Westweg ab und mach mich auf in Richtung Innenstadt. Ich will zu Touristenzentrum meine Belohnung abholen. Wenn man nämlich mindesten neun Stempel nachweisen kann, gibt es dafür ein Halstuch.

Der letzte Stempel – Wehmut

So durch die Stadt zulaufen ist komisch. Der Verkehr, die Leute machen mich unruhig. Ich habe einen leichten Anfall von Zivilisationsschock. Dabei ist Lörrach noch nichts gegen Basel. So laufe ich auch erstmal an der Touristeninformation ein ziemliches Stück vorbei. Nachdem ich dann aber bei Halstuch ergattert habe, gibt es zur weiteren Belohnung noch ein Eis und dann heißt es die letzten Kilometer nur noch Asphalt treten und wieder Anschluss an den Westweg finden.

Rein in den Moloch

So nahe am Ziel und hier mitten im Verkehr will ich eigentlich nur noch zurück in die Natur. Mein Herz wird immer schwere und meine Beine auch. Ich bekomme auch nicht mit wie ich die Grenze zur Schweiz überschreite. Erst an den veränderten Wegzeichen merke ich, das ich Deutschland verlassen

habe. Ewig geht es an der Wiese Richtung Basel entlang. Als ich abbiege sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ziel. Wenige Minuten später stehe ich am Badischen Bahnhof, dem Ende des Westweges. Ich bin stolz, traurig und freudig zugleich. Und ich bin auch allein. Ich muss erstmal mit zu Hause telefonieren.

Am Ziel………..oder doch noch nicht?

Auf der Fahrt zum Flughafen, kapseln sich meine Gedanken gegenüber der Umwelt ab. Es ist mir zu viel Gewusel. Alles hetzt. Meine Gedanken können da noch nicht mithalten. Wie in Trance check ich am Flughafen ein. Ein letzter Blick aus dem Fenster des Fliegers zum Schwarzwald hinunter und ein paar Tränen aus den Augenwinkeln gewischt. Ich komme bestimmt mal wieder her aber jetzt freue ich mich auf meine Familie.

 

Epiloge

Der Westweg ist zu einem Traumweg für mich geworden. Nicht nur die Landschaften, auch die Leute die ich unterwegs getroffen habe, haben mich tief beeindruckt. Es gab so viele Zeichen an mich, dass ich nun genau weiß, was ich nächstes Jahr will. Auch habe ich das Gefühl oder eher eine ganz leichte Ahnung was ich in Zukunft machen möchte. Ich denke, ich werde das noch genauer rausfinden und einen Weg finden oder ein Weg zeigt mir wo es langgehen wird. Man muss nur eine wenig gehen um zu sich selbst udn seine Zielen zu finden.

Jeden Anderen lege ich an Herzen, den Westweg mal zu laufen. Mai/Juni war eine gute Zeit. Es würde mich auch freuen, wenn ihr eure Meinung, einen Kommentar zu meinem Reisetagebuch oder eigene Erfahrungen hinterlassen würdet. Auch was ich zukünftig an meinem Schreibstil verbessern kann. Alles dies würde mich interessieren. Also ganz viel Danke für ein ehrliches Feedback.

Man sieht sich bei der nächsten Wanderung. Los geht es am 2.8.2018 von Berlin nach Santiago de Compostela. 3300 Kilometer zu Fuß durch halb Europa. Auf meinen Blog werde ich von den Vorbereitungen schreiben und auf Facebook gibt es dann täglich eine kleine Post. Natürlich wird daraus auch wieder ein Tagebuch entstehen. Da habe ich ordentlich zu tun. Bis dahin.

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